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Zwei NASA-Karten: Der Trend zu längeren Schmelzsaisons flacht ab

NASA-Karten vergleichen die Trendraten der arktischen Meereis-Schmelzsaison 2000–2009 und 2010–2023. Das Plateau betrifft die Saisonlänge, nicht Eisfläche oder Volumen.

Karte der Arktis für 2000 bis 2009: Rote Flächen markieren Regionen, in denen sich die Meereis-Schmelzsaison verlängerte.

Trendrate der Länge der arktischen Meereis-Schmelzsaison, 2000–2009. Rot steht für Verlängerung, Blau für Verkürzung. NASA Earth Observatory images by Michala Garrison, using data from Boisvert et al. (2026). Originalbild.

Karte der Arktis für 2010 bis 2023: Rot und Blau zeigen kleinere, regional unterschiedliche Änderungen der Saisonlänge.

Trendrate der Länge der arktischen Meereis-Schmelzsaison, 2010–2023. NASA Earth Observatory images by Michala Garrison, using data from Boisvert et al. (2026). Originalbild.

Die erste Karte ist weithin rot, die zweite ein helleres Gemisch aus Rot und Blau. Die Saisonlänge ist die Zeitspanne zwischen dem Beginn des Schmelzens und dem Beginn des Wiedergefrierens. Die Karten zeigen, wie sich diese Zeitspanne regional pro Jahr verändert hat — also ihre Trendrate, nicht die Menge des Eises.

Von 2000 bis 2009 verlängerte sich die Saison in großen Teilen der Arktis stark, regional laut NASA um bis zu fünf Tage pro Jahr. Für 2010 bis 2023 zeigt der über die Studienregion gemittelte Wert keinen signifikanten weiteren Anstieg, schwankt aber von Jahr zu Jahr stark. Links liegen zehn Jahre, rechts vierzehn; die Farben sind Trendraten innerhalb dieser unterschiedlichen Zeitfenster.

Fast 40 Tage — als räumlicher Mittelwert einer definierten Region

Bis 2023 war die Länge der Schmelzsaison im räumlichen Mittel über die in der Studie definierte Arctic-Ocean-Region fast 40 Tage länger als 1979. Diese Region umfasst Kara-, Laptew-, Ostsibirische, Tschuktschen- und Beaufortsee sowie die Zentralarktis. Die Zahl gilt daher weder für jeden einzelnen Kartenpunkt noch pauschal für jede arktische Nebenmeerregion.

Der größte Anteil der knapp 40 Tage entstand durch ein späteres Wiedergefrieren im Herbst: im Mittel rund 34 Tage. Der Schmelzbeginn rückte im Gesamtzeitraum im Mittel um rund sieben Tage nach vorn. Für 2010 bis 2023 beschreibt die Studie eine hohe jährliche Variabilität bei im Mittel ungefähr stabiler Saisonlänge.

Warum sich der jüngere Trend abflachte

In den 2000er-Jahren legte schwindendes Eis dunkleres Meerwasser frei. Es nahm mehr Sonnenenergie auf und verzögerte das Wiedergefrieren. Für 2010 bis 2023 beschreibt die Studie dagegen mehr Wolken und weniger kurzwellige Einstrahlung. Das trägt zur Abflachung bei, ist aber keine vollständige Erklärung aller dynamischen und ozeanischen Einflüsse.

Was die Karten nicht zeigen

Ein Plateau der Saisonlänge belegt keine Erholung von Eisfläche, Dicke oder Volumen. Diese Größen messen etwas anderes. Das verbleibende Eis ist gegenüber früheren Jahrzehnten deutlich dünner; jüngeres Eis reagiert empfindlicher auf Wetter, Wind und Ozeanbedingungen. Die zweite Karte darf deshalb nicht als Karte von „mehr Eis“ gelesen werden.

Auch die Dauerhaftigkeit ist offen. Die Forschenden beschreiben die Zeit seit 2010 als variableren Zustand auf bereits stark verändertem Niveau. Weitere Ausdünnung kann die Saisonlänge wieder rascher verschieben.

Die beiden Karten zeigen somit eine Abflachung des Verlängerungstrends, keine Entwarnung: Die gemittelte Saisonlänge kann vorübergehend kaum weiter zunehmen, obwohl das arktische Eissystem bereits stark verändert ist.

Quellen und Bildnachweis

Bildcredit: NASA Earth Observatory images by Michala Garrison, using data from Boisvert et al. (2026). Die Wiedergabe impliziert keine Unterstützung durch NASA.

Quellenstand: 22. September 2026.