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Warum US-Startbahnen ihre Nummer wechseln können
Die Kennung einer US-Startbahn steht nach FAA-Regel für ihre gerundete magnetische Richtung. Ändert sich die Deklination, kann eine Umnummerierung nötig werden.
Die große 27 am Anfang einer US-Start- und Landebahn ist keine Inventarnummer. Nach den Markierungsregeln der Federal Aviation Administration, kurz FAA, bezeichnet sie die gerundete magnetische Richtung, in der ein Flugzeug auf diese Bahnseite zufliegt: ungefähr 270 Grad, also westwärts.
Von der Gegenseite wird derselbe Asphalt ungefähr mit 90 Grad angeflogen. Auf der US-Bodenmarkierung steht dafür 9 — ausdrücklich ohne führende Null. Die verbreitete Schreibweise 09 darf deshalb nicht ungeprüft auf die von der FAA geregelte Markierung übertragen werden.
Aus 274 Grad wird 27
Für eine einzelne Bahn sowie für zwei oder drei parallele Bahnen wird der magnetische Azimut nach FAA AC 150/5340-1M Change 1 auf ein Zehntel gerundet und als Kennung verwendet. So wird aus 274 Grad die 27, aus 87 Grad die 9. Magnetisch Nord erhält die Kennung 36.
Bei parallelen Bahnen ergänzen Buchstaben die Zahl: L für links, C für Mitte und R für rechts. Für vier oder mehr parallele Bahnen sieht die FAA zusätzlich versetzte Nummerngruppen vor. Das alles sind Regeln für den US-Kontext; aus ihnen folgt keine weltweit identische Markierungspraxis.
Warum der magnetische Bezug wandert
Der geografische Norden ergibt sich aus der Rotationsachse der Erde, der magnetische Norden aus ihrem Magnetfeld. Der Winkel zwischen wahrer und magnetischer Nordrichtung an einem Ort heißt magnetische Deklination. Laut USGS unterscheidet sie sich räumlich und verändert sich mit der Zeit.
Der Asphalt dreht sich dadurch nicht. Doch der für die Kennung maßgebliche magnetische Richtungswert kann sich verschieben. Überschreitet er eine Rundungsgrenze, kann eine neue Kennung nötig werden. In einem vereinfachten Beispiel wird eine Richtung, die nicht mehr näher an 270, sondern näher an 280 Grad liegt, aus 27 zu 28.
Eine solche Änderung ist mehr als neue Farbe auf Beton. Markierungen, Karten, Navigationsdaten und betriebliche Verfahren müssen koordiniert angepasst werden. Auch deshalb führt nicht jede kleine Veränderung der Deklination sofort zu einer neuen Zahl; entscheidend sind Rundungsgrenze und behördlicher Umstellungsprozess.
Die Startbahnnummer ist damit eine kompakte Schnittstelle zwischen Geophysik und Flugbetrieb. Die Kennung gibt eine ungefähre magnetische Richtung an, keinen exakten Steuerkurs. Wenn sich dieser magnetische Bezug weit genug verschiebt, muss die sichtbare Kennung dem unsichtbaren Maßstab folgen.
Quellen
- FAA: AC 150/5340-1M, Change 1, Standards for Airport Markings, Abschnitt 2.3, „Characteristics“, Punkte 1–5
- USGS: What is declination?
- WIRED: Einordnung zur Umbenennung von Start- und Landebahnen
Quellenstand: 22. September 2026.